Schwefelarmes Heizöl im Notstromaggregat – Herstellerfreigaben und wichtige Hinweise


Schwefelarmes Heizöl im Notstromaggregat

Kann ein Notstromaggregat mit schwefelarmem Heizöl betrieben werden? Ja, bei geeigneten Motoren ist der Einsatz von Heizöl nach DIN 51603-1 grundsätzlich möglich – entscheidend ist jedoch die Freigabe des jeweiligen Motorenherstellers.

Gerade bei Netzersatzanlagen, Notstromaggregaten und Sicherheitsstromversorgungen spielt die Lagerfähigkeit des Kraftstoffs eine wichtige Rolle. Anders als Fahrzeuge stehen Notstromaggregate häufig über längere Zeiträume still und müssen dennoch im Ernstfall zuverlässig starten.

Für bestimmte Motorenbaureihen liegen Herstellerfreigaben für schwefelarmes Heizöl vor. Nach Angaben der WA Notstromtechnik betrifft dies unter anderem geeignete Motoren von DEUTZ, MTU, Volvo und IVECO, insbesondere bis zur Abgasstufe Stage 3A.

Welche Kraftstoffe für ein konkretes Notstromaggregat zulässig sind, sollte immer anhand der Motorbaureihe, der technischen Dokumentation und der gültigen Herstellerfreigabe geprüft werden.

 


Begrenzte Lagerfähigkeit von Dieselkraftstoff nach DIN EN 590

Dieselkraftstoff nach der Norm DIN EN 590 ist der in Europa standardisierte Kraftstoff für Dieselmotoren. Durch gesetzliche Vorgaben enthält dieser Kraftstoff jedoch seit mehreren Jahren einen Anteil an Biodiesel (FAME – Fettsäuremethylester).

Der maximale Anteil liegt aktuell bei:

bis zu 7 % Biodieselanteil im Dieselkraftstoff

Dieser Zusatz erfolgt aufgrund gesetzlicher Vorgaben des Biokraftstoffquotengesetzes, das eine Reduzierung fossiler CO₂-Emissionen im Verkehrssektor vorsieht.

Für Fahrzeuge mit regelmäßigem Betrieb stellt dieser Anteil meist kein Problem dar. Bei Notstromaggregaten mit sehr langen Lagerzeiten des Kraftstoffs entstehen jedoch technische Herausforderungen.


Warum Biodiesel (FAME) die Kraftstoffqualität verschlechtert

Biodiesel besitzt andere chemische Eigenschaften als fossiler Diesel. Während herkömmlicher Dieselkraftstoff relativ stabil ist, reagiert der Biodieselanteil deutlich empfindlicher auf Umwelteinflüsse wie:

  • Sauerstoff

  • Feuchtigkeit

  • Temperatur

  • Mikroorganismen

Im Laufe der Zeit kann es zu einer chemischen Alterung des Kraftstoffs kommen.

Dabei entstehen unter anderem:

  • Wasser

  • organische Säuren

  • Harze und Ablagerungen

  • Sedimente im Tank

Diese Veränderungen führen dazu, dass sich die Gesamtqualität des Dieselkraftstoffs deutlich verschlechtert.


Typische Probleme bei gealtertem Diesel in Notstromaggregaten

Wenn Diesel mit Biodieselanteil über längere Zeit gelagert wird, können verschiedene technische Probleme auftreten.

Dazu gehören unter anderem:

Filterverstopfung

Durch Ablagerungen und Sedimente können Kraftstofffilter verstopfen, was den Kraftstofffluss im Motor stark beeinträchtigt.

Korrosion im Kraftstoffsystem

Die entstehenden Säuren können zu Korrosionsschäden an Leitungen, Tanks und Einspritzsystemen führen.

Mikroorganismen und Dieselpest

Biodiesel begünstigt das Wachstum von Mikroorganismen im Kraftstoff. Diese bilden schleimartige Rückstände, die ebenfalls Filter und Leitungen verstopfen können.

Startprobleme des Aggregates

Bei langer Lagerzeit kann sich die Zündwilligkeit des Dieselkraftstoffs verschlechtern, wodurch Notstromaggregate im Ernstfall schlechter starten.

Gerade bei Sicherheitsstromversorgungen kann dies ein erhebliches Risiko darstellen.


Konflikt zwischen Herstellervorgaben und Lagerfähigkeit

Viele Motorenhersteller schreiben weiterhin Dieselkraftstoff nach DIN EN 590 als Standardkraftstoff vor.

Für Betreiber entsteht dadurch ein Konflikt:

Einerseits:

  • Herstellergarantie ist an DIN EN 590 gebunden

Andererseits:

  • Diesel enthält gesetzlich vorgeschriebenen Biodiesel

  • Biodiesel reduziert die Lagerfähigkeit des Kraftstoffs

Das führt dazu, dass der Kraftstoff im Tank eines Notstromaggregates nicht dauerhaft stabil bleibt, obwohl die Anlage möglicherweise mehrere Jahre ohne Einsatz gelagert wird.


Studien bestätigen Vorteile von schwefelarmem Heizöl

Aktuelle Untersuchungen des Instituts für Wärme und Öltechnik (IWO) sowie Erfahrungen aus dem praktischen Betrieb zeigen, dass schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1 eine deutlich bessere Lagerstabilität besitzt.

Die Gründe dafür sind:

  • kein verpflichtender Biodieselanteil

  • geringere chemische Alterung

  • stabilere Kraftstoffeigenschaften

  • bessere Langzeitlagerfähigkeit

Aus diesem Grund haben mehrere führende Motorenhersteller inzwischen den Einsatz von schwefelarmem Heizöl für Notstromaggregate freigegeben oder empfehlen diesen sogar ausdrücklich.


Herstellerfreigaben für schwefelarmes Heizöl

Ob schwefelarmes Heizöl in einem Notstromaggregat verwendet werden darf, hängt nicht allein von der Kraftstoffnorm ab. Entscheidend sind insbesondere Motorhersteller, Motorbaureihe, Baujahr, Abgasstufe und die jeweils gültigen technischen Freigaben.

Für geeignete Motoren liegen Freigaben für schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1 vor. Dies betrifft unter anderem Motoren verschiedener Baureihen von:

  • DEUTZ
  • MTU
  • Volvo
  • IVECO

Nach den bei WA Notstromtechnik vorliegenden Herstellerinformationen betrifft dies insbesondere geeignete Motoren bis zur Abgasstufe Stage 3A.

Wichtig: Nicht jeder Motor ist automatisch freigegeben

Eine allgemeine Aussage wie „Heizöl ist für diesen Motor zulässig“ sollte vermieden werden. Vor einer Umstellung von Diesel auf Heizöl ist immer zu prüfen, ob für die konkrete Motorbaureihe eine entsprechende Herstellerfreigabe vorliegt.

Wir prüfen gerne, welcher Kraftstoff für Ihr Notstromaggregat bzw. Ihre Netzersatzanlage geeignet ist und welche Herstellerfreigaben für den eingesetzten Motor vorliegen.

 


Technische Voraussetzung: ausreichende Cetanzahl

Damit Heizöl in einem Dieselmotor zuverlässig eingesetzt werden kann, muss eine wichtige technische Anforderung erfüllt sein: die Cetanzahl des Kraftstoffs.

Die Cetanzahl beschreibt die Zündwilligkeit eines Kraftstoffs im Dieselmotor.

Für den Betrieb von Notstromaggregaten sollte das Heizöl eine:

Cetanzahl von mindestens 45

besitzen.

Falls diese Anforderung nicht standardmäßig erreicht wird, kann sie durch Kraftstoffadditive verbessert werden.


Vorteile von Additiven bei Heizöl und Diesel

Spezielle Kraftstoffadditive können die Eigenschaften von Heizöl oder Diesel deutlich verbessern.

Typische Effekte sind:

  • Verbesserung der Zündfähigkeit

  • Stabilisierung des Kraftstoffs

  • Schutz vor Oxidation

  • Reduzierung von Ablagerungen

  • Schutz vor Korrosion

  • Hemmung von mikrobiellen Wachstum

Gerade bei Notstromanlagen mit langen Wartungsintervallen kann dies die Betriebssicherheit erheblich erhöhen.


Biogenfreie Kraftstoffe für moderne Stage-V-Motoren

Für moderne Motoren der aktuellen Abgasstufe Stage V stehen inzwischen neue Kraftstofflösungen zur Verfügung.

Dabei handelt es sich um biogenfreie Spezialkraftstoffe, die keinen Biodieselanteil enthalten.

Diese Kraftstoffe bieten mehrere Vorteile:

  • sehr hohe Lagerstabilität

  • keine FAME-Alterung

  • geringere Ablagerungen

  • hohe Zündwilligkeit

  • sehr saubere Verbrennung

Damit sind sie besonders geeignet für:

  • Notstromaggregate

  • Netzersatzanlagen

  • Sicherheitsstromversorgung

  • kritische Infrastruktur

  • Rechenzentren

  • Industrieanlagen


Wichtiger Hinweis zur Herstellerfreigabe

ei der Wahl des Kraftstoffs sollte nicht nur die technische Eignung des Motors berücksichtigt werden. Ebenso wichtig sind die Vorgaben des Motorenherstellers hinsichtlich Garantie, Gewährleistung und Betriebsvorschriften.

Wird ein anderer Kraftstoff als der in den technischen Unterlagen vorgeschriebene Kraftstoff verwendet, sollte vor der Umstellung eine schriftliche Herstellerfreigabe eingeholt werden.

Liegt für das konkrete Motormodell keine entsprechende Freigabe vor, kann die Verwendung eines nicht freigegebenen Kraftstoffs im Schadensfall Auswirkungen auf bestehende Garantie-, Gewährleistungs- oder sonstige Ansprüche haben.

Deshalb gilt: Vor der Umstellung von Diesel auf schwefelarmes Heizöl immer die Freigabe für die konkrete Motorbaureihe prüfen und dokumentieren.


Fazit: Richtiger Kraftstoff erhöht die Betriebssicherheit von Notstromaggregaten

Die verpflichtende Beimischung von Biodiesel im Dieselkraftstoff reduziert die Langzeitlagerfähigkeit von Diesel nach DIN EN 590 erheblich. Für Betreiber von Notstromaggregaten kann dies zu technischen Problemen führen, insbesondere bei Anlagen mit langen Stillstandszeiten.

Alternativen wie:

  • schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1

  • biogenfreie Spezialkraftstoffe

bieten in vielen Fällen eine deutlich bessere Lagerstabilität und erhöhen die Betriebssicherheit von Notstromanlagen.

Voraussetzung ist jedoch immer eine Freigabe durch den Motorenhersteller.


Häufige Fragen (FAQ) – Notstromaggregat Kraftstoff

Wie lange ist Diesel im Notstromaggregat lagerfähig?

Diesel mit Biodieselanteil ist in der Regel 6 bis 12 Monate stabil lagerfähig. Danach können Alterungsprozesse einsetzen, die die Kraftstoffqualität verschlechtern.


Warum ist Biodiesel problematisch für Notstromaggregate?

Biodiesel (FAME) ist chemisch weniger stabil als fossiler Diesel. Bei längerer Lagerung entstehen Wasser, Säuren und Ablagerungen, die zu technischen Problemen führen können.


Kann man Heizöl im Notstromaggregat verwenden?

Ja, viele Motorenhersteller erlauben den Einsatz von schwefelarmem Heizöl nach DIN 51603-1, insbesondere bei Motoren bis Abgasstufe Stage 3A. Voraussetzung ist eine ausreichende Cetanzahl und eine Herstellerfreigabe.


Welche Kraftstoffe eignen sich für Stage-V-Motoren?

Für moderne Stage-V-Motoren gibt es biogenfreie Spezialkraftstoffe, die keine Biodieselanteile enthalten und daher besonders lagerstabil sind.


Wie kann man die Lagerfähigkeit von Kraftstoff verbessern?

Die Lagerfähigkeit kann verbessert werden durch:

  • hochwertige Additive

  • regelmäßige Kraftstoffkontrollen

  • saubere Tanksysteme

  • Schutz vor Wasser und Kondensation


Sie möchten wissen, ob Ihr Notstromaggregat oder Ihre Netzersatzanlage mit schwefelarmem Heizöl nach DIN 51603-1 betrieben werden darf?

Wir unterstützen Sie bei der Prüfung der geeigneten Kraftstoffsorte und der erforderlichen Herstellerfreigabe für Ihre Motorbaureihe.

Halten Sie möglichst folgende Angaben bereit:

  • Hersteller des Motors
  • Motortyp bzw. Motorbaureihe
  • Baujahr
  • Leistung des Notstromaggregats
  • Abgasstufe
  • vorhandener Kraftstoff
  • gewünschter Kraftstoff

Senden Sie uns die Daten Ihres Notstromaggregats – wir prüfen die Einsatzmöglichkeit von schwefelarmem Heizöl.