Die VDE 0100-718: 2014-6 ist eine spezifische Norm aus der Reihe der VDE 0100, die sich mit den Errichtungsanforderungen für Netzersatzanlagen und Notstromgeneratoren befasst. Diese Norm behandelt vor allem die Notstromversorgungssysteme in elektrischen Anlagen und stellt sicher, dass Notstromsysteme wie Notstromaggregate und Netzersatzanlagen sicher, zuverlässig und korrekt in die bestehende elektrische Infrastruktur integriert werden.
Hier sind die wichtigsten zusätzlichen Anforderungen der VDE 0100-718:2014-6 für Netzersatzanlagen und Notstromgeneratoren:
1. Trennung der Versorgungen
Die Norm fordert eine klare Trennung zwischen der normalen Stromversorgung (also dem öffentlichen Netz) und der Notstromversorgung:
- Trennvorrichtungen: Um Kurzschlüsse oder Stromkreisdurchflüsse zwischen der normalen Netzversorgung und der Notstromversorgung zu verhindern, muss eine Trennvorrichtung zwischen diesen beiden Versorgungsquellen installiert werden.
- Umschalter für die Lastumschaltung: Wenn die Notstromversorgung aktiviert wird, muss eine Lastumschaltung durch einen entsprechenden Umschalter oder Übertragungs-Schalter erfolgen, um sicherzustellen, dass das Notstromaggregat das gesamte angeschlossene System zuverlässig mit Strom versorgen kann, ohne das Netz zu beeinträchtigen.
2. Automatische Umschaltung und Verfügbarkeit
Ein Notstromgenerator bzw. eine Netzersatzanlage muss so ausgelegt sein, dass sie automatisch und zuverlässig in Betrieb geht, wenn die Netzversorgung ausfällt:
- Automatische Umschaltung: Nach einem Netzfehler muss die Notstromversorgung automatisch innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens (in der Regel innerhalb von 15 Sekunden) anspringen und die Last übernehmen. Die Umschaltung muss nahtlos erfolgen, ohne dass es zu einer Stromunterbrechung kommt.
- Manuelle Umschaltung (optional): Für spezielle Anwendungen kann eine manuelle Umschaltung erforderlich sein, bei der der Betreiber das Notstromsystem manuell einschaltet. In diesem Fall müssen geeignete Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um Fehler zu vermeiden.
3. Überlastungsschutz und Kurzschlussfestigkeit
Notstromaggregate und Netzersatzanlagen müssen umfassend gegen Überlastungen und Kurzschlüsse geschützt sein:
- Leistungsschutzschalter und Sicherungen: Um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten, müssen Leistungsschutzschalter und Sicherungen korrekt dimensioniert werden. Diese schützen das Notstromsystem vor Schäden durch Überlast oder Kurzschluss und gewährleisten, dass bei einem Fehler der Stromkreis unterbrochen wird, um Schäden an der Ausrüstung zu verhindern.
- Fehlerstromschutzschalter (FI): Zusätzlich muss das System mit geeigneten Fehlerstromschutzschaltern (FI-Schaltern) ausgestattet sein, um gefährliche Fehlerströme abzuleiten und das Risiko von Stromunfällen zu minimieren.
4. Spannungsqualität und Frequenzregelung
Die Notstromversorgung muss sicherstellen, dass die Spannung und die Frequenz im zulässigen Bereich bleiben, um Schäden an den angeschlossenen Geräten zu verhindern:
- Spannungsregelung: Die Ausgangsspannung des Notstromgenerators muss stabil und innerhalb der normierten Toleranzen bleiben, in der Regel ±10% der Nennspannung (230 V oder 400 V).
- Frequenzregelung: Die Frequenz muss bei 50 Hz liegen und innerhalb der zulässigen Toleranzen bleiben. Eine zu hohe oder zu niedrige Frequenz könnte empfindliche Geräte beschädigen, weshalb eine ordnungsgemäße Frequenzregelung erforderlich ist.
5. Überspannungsschutz
Notstromaggregate und Netzersatzanlagen müssen mit Überspannungsschutzgeräten (SPD) ausgestattet sein, um die elektrischen Geräte vor Spannungsspitzen zu schützen, die beispielsweise durch Blitzeinschläge oder Schaltvorgänge im Netz entstehen können:
- Überspannungsschutzgeräte: Diese Geräte müssen so installiert sein, dass sie Überspannungen abfangen und die empfindliche Technik vor Schäden schützen.
- Koordination der Überspannungsschutzgeräte: Es ist darauf zu achten, dass die Überspannungsschutzgeräte ordnungsgemäß miteinander koordiniert sind (z. B. grober Schutz am Eingang der Netzersatzanlage und feiner Schutz an den Endgeräten).
6. Bauweise und Aufstellung
Die VDE 0100-718: 2014-6 gibt Anforderungen an die Bauweise und den Aufstellungsort von Notstromaggregaten und Netzersatzanlagen:
- Klimatische Bedingungen: Die Anlage muss vor Feuchtigkeit, hohen Temperaturen und mechanischen Belastungen geschützt werden. Entsprechend müssen alle Teile, die für den Betrieb erforderlich sind, vor äußeren Einflüssen (z. B. Regen oder extreme Hitze) geschützt werden.
- Belüftung und Kühlung: Bei längerem Betrieb muss die Luftzirkulation für die Notstromaggregate gewährleistet sein, um eine Überhitzung zu verhindern. Dies kann durch den Einsatz von Lüftungsanlagen oder Kühlmechanismen sichergestellt werden.
- Zugang für Wartung: Der Zugang zum Notstromaggregat und den Batterien (falls vorhanden) muss so gestaltet sein, dass Wartungs- und Reparaturarbeiten sicher und ohne Gefährdung durchgeführt werden können.
7. Wartung und Instandhaltung
Die VDE 0100-718 fordert eine regelmäßige Wartung und Prüfung der Netzersatzanlagen, um die Funktionsfähigkeit im Notfall zu garantieren:
- Wartungsintervalle: Die Netzersatzanlage muss regelmäßig gewartet werden, um sicherzustellen, dass sie im Falle eines Stromausfalls zuverlässig funktioniert. Wartungsarbeiten umfassen z. B. den Brennstoffwechsel, die Ölprüfung oder den Austausch von Batterien.
- Prüfprotokolle: Alle durchgeführten Wartungs- und Prüfmaßnahmen müssen dokumentiert werden, um eine ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit nachweisen zu können.
- Testbetrieb: In vielen Fällen muss das Notstromsystem regelmäßig getestet werden, um sicherzustellen, dass es im Notfall tatsächlich einsatzbereit ist.
8. Schutz gegen Umwelteinflüsse
Der Notstromgenerator muss gegen Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit, Korrosion und Staub geschützt sein:
- Witterungsbeständige Gehäuse: Das Aggregat und die zugehörigen Komponenten müssen witterungsbeständig und gegen mechanische Beschädigungen geschützt sein.
- Korrosionsschutz: Teile, die in feuchten oder salzhaltigen Umgebungen betrieben werden (z. B. in Küstennähe), müssen gegen Korrosion geschützt werden, um die Lebensdauer der Anlage zu erhöhen.
9. Kennzeichnung und Dokumentation
Jede Netzersatzanlage muss mit klaren Kennzeichnungen versehen sein, die den Betriebsstatus und Fehler anzeigen:
- Signalisation: Es muss eine Visuelle und/oder akustische Alarmierung bei Störungen oder bei Bedarf an Wartung vorhanden sein.
- Betriebsanleitung: Eine umfassende Betriebs- und Wartungsanleitung muss bereitgestellt werden, die den Betrieb und die Wartung des Notstromsystems beschreibt.
Fazit:
Die VDE 0100-718: 2014-6 regelt spezifische Anforderungen an Netzersatzanlagen und Notstromgeneratoren in Bezug auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Funktionsfähigkeit. Besondere Anforderungen betreffen unter anderem die automatische Umschaltung, den Überlastschutz, den Überspannungsschutz, die Wartung und die Dokumentation. Die Norm sorgt dafür, dass Notstromaggregate auch in kritischen Situationen zuverlässig arbeiten und die Sicherheit der elektrischen Installation sowie der angeschlossenen Geräte gewährleistet ist.
In Wesentlichen entsprechen diese Anforderungen dem Anwendungsbereich 2 der DIN 6280-13. Neu ist, dass die Zeit für die Rückschaltverzögerung von 1 Minute nun explizit beschrieben ist.
Neu ist ebenfalls die Forderung, dass eine Sicherheitsstromquelle außerhalb der Betriebszeiten nicht ungewollt eingeschaltet werden darf:
Stromkreise für Sicherheitszwecke sind in Betriebsruhezeiten so zu schalten, dass ein ungewolltes Wirksamwerden der Stromquelle für Sicherheitszwecke zur Versorgung der elektrischen Anlage für Sicherheitszwecke verhindert wird.
Dieser Absatz darf aber nicht so verstanden werden, dass der Diesegenerator jeden Abend per Hand abgeschaltet werden soll. Diese Vorkehrungen sind in der jeweiligen sicherheitstechnischen Anlage zu treffen. Die Gefahr beim einfachen Ausschalten besteht darin, dass bei einem Netzausfall Anlagen, die eigentlich funktionieren sollten (z. B. Löschanlagen oder Kühlanlagen), auch unversorgt bleiben oder dass z. B. Batterieladegeräte zur Erhaltungsladung von Starter- und Steuerbatterien ausgeschaltet werden. Außerdem wäre zu befürchten, dass das Wiedereinschalten der Anlage vergessen wird.
Der Betriebszustand und weitere Meldungen der Anlage sind an einer geeigneten Stelle z. B. an die GLT zu melden.
Unser Leistungsspektrum umfallst Sicherheitsstromversorgungen von 20 – 4.300 kVA. Um Ihre Sicherheisstromversorgung auszulegen und anzupassen wenden Sie sich bitte an unser Vertriebsteam.