Die DIN VDE 0100-560: 2023-10
Errichten von Niederspannungsanlagen
Teil 5-56: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Einrichtungen für Sicherheitszwecke
Ausgabedatum: 2023-10 Erscheinungsdatum: 2023-10
Dieses VDE Norm gilt für Einrichtungen für Sicherheitszwecke, für die Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen von Einrichtungen für Sicherheitszwecke und von Stromquellen für Sicherheitszwecke.
Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Einrichtungen für Sicherheitszwecke“ beschreibt die einsetzbaren Energieversorgungen und klassifiziert diese bezüglich Umschalt- sowie Überbrückungszeiten, Bauformen und Einsatzbereichen.
Diese Norm beinhaltet u. a. Anforderungen an Stromquellen und Stromkreise für Sicherheitszwecke sowie Anforderungen an Kabel- und Leitungsanlagen. Darüber hinaus werden Anwendungen für Notbeleuchtung/Sicherheitsbeleuchtung sowie für Brandschutzeinrichtungen und deren Betriebsmittel beschrieben. Darüber hinaus beschreibt die VDE 0100-560 die einsetzbaren Energieversorgungen und klassifiziert diese bezüglich Umschalt- sowie Überbrückungszeiten, Bauformen und Einsatzbereichen.
Bei der Planung und Errichtung von Sicherheitsstromversorgungen ist jedoch zu bedenken, dass nicht alle Stromquellen eingesetzt werden können bzw. zulässig sind. So müssen die für die Versorgung von baurechtlich geforderten Sicherheitseinrichtungen eingesetzten Stromquellen z.B. höhere Anforderungen in Bezug auf die Betriebssicherheit, Strom- und Spannungsqualität sowie Regelverhalten bei Lastaufschaltungen und Entlastungen erfüllen.
Diese Norm gilt nicht für Ersatzstromversorgungsanlagen und nicht für Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen (BE3).
Sinn und Zweck von Sicherheitsstromversorgungen ist es, den Betrieb der Sicherheitsstromverbraucher unabhängig vom allgemeinen Stromnetz zu realisieren.
Teilweise werden Sicherheitsstromverbraucher und Sicherheitsstromquellen auch durch nationale Rechtsvorschriften behördlich gefordert, wie durch die Verordnungen der Bundesländer (z.B. Versammlungsstättenverordnung) oder durch Auflagen der Baubehörden (z.B. in Form von genehmigten Baugenehmigungen und/oder Brandschutzkonzepten).
Ein typischer Baustellengenerator ist für diese Anwendung nicht geeignet und wird von den Sachverständigen auch nicht abgenommen da unter anderem die Anforderungen nach DIN 6280-13 ebenfalls nicht erfüllt werden.
Typische Sicherheitsstromverbraucher sind:
⊗ elektrische Feuerlöschpumpen (Sprinkleranlagen) jeglicher Art
⊗ Feuerwehraufzüge
⊗ Entrauchungs-, Gefahrenmelde-, Evakuierungs- und Notbeleuchtungsanlagen
⊗ Medizinische genutzte Bereiche oder Systeme
Neu ist in der VDE 0100-560 / 2022 Version, unter anderem: der Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) und Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs) für den Schutz von Stromkreisen für Sicherheitszwecke wurde untersagt (560.7.13)
Es wurden ferner weitere Begriffsdefinitionen aufgenommen – Brandfall:
(Bedingungen bei äußerer Brandeinwirkung); – geeigneter Standort (Sicherstellung der normalen Funktion von Betriebsmitteln im Brandfall); – Feuerwehrschalter. b) Unterscheidung von zentralen Stromversorgungssystemen nach der Leistungsbegrenzung (mit bzw. ohne) ist weggefallen; c) Klassifizierung von automatischen Versorgungen entsprechend ihrer maximalen Umschaltzeit wurde durch die Ergänzung der Angabe einer Klasse (A bis F) vereinfacht; d)
Anforderungen an die Unterbringung von Stromquellen für Sicherheitszwecke (560.6.3) wurden durch die Berücksichtigung von Umgebungsbedingungen ergänzt; e) es wurden nunmehr Anforderungen zur Berücksichtigung von äußerer Brandeinwirkung bei der Auswahl von Schutzeinrichtungen aufgenommen (560.7.12); f)
Die VDE 0100-560 befasst sich mit den spezifischen Anforderungen für den Verkabelungs- und Schutzsysteme von Notstromversorgungen, also Notstromaggregaten (Notstromgeneratoren), in elektrischen Anlagen. Sie ist ein Teil der VDE 0100-Normenreihe und beschreibt die Anforderungen an die Planung, Installation und den Betrieb von Stromversorgungsanlagen, die speziell für Notfälle und Ausfallsicherheit vorgesehen sind.
In der VDE 0100-560 werden mehrere zusätzliche Anforderungen an die Notstromaggregate gestellt, um deren sichere und zuverlässige Funktion bei einem Stromausfall sicherzustellen:
1. Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Notstromversorgung
Die Notstromversorgung muss sicherstellen, dass bei Ausfall der Hauptstromversorgung die Versorgung mit Strom fortgesetzt wird. Die Anforderungen an Trennung und Lastumschaltung werden noch detaillierter formuliert:
- Trennung der Versorgungsleitungen: Notstromaggregate müssen in der Regel mit den entsprechenden Stromkreisen verbunden sein, wobei eine klare Trennung zur Normalstromversorgung erforderlich ist. Diese Trennung darf keine Gefährdung für Personen oder Geräte darstellen und muss im Fehlerfall zuverlässig funktionieren.
- Umschaltung der Last: Die Umschaltung auf Notstrom muss möglichst ohne Unterbrechung erfolgen. Der Zeitraum, in dem diese Umschaltung stattfinden muss, ist in der Norm spezifiziert (meist innerhalb von 15 Sekunden für kritische Anwendungen).
2. Absicherung gegen Kurzschluss und Überlastung
Ein Notstromaggregat und die damit verbundenen Leitungen müssen ausreichend gegen Kurzschluss und Überlastung abgesichert werden. Dies umfasst:
- Sicherungen oder Leistungsschutzschalter für die Notstromversorgung, die den Stromkreis im Falle eines Kurzschlusses oder einer Überlastung unterbrechen und somit Schäden verhindern.
- Die Fehlerstromschutzschalter (FI) sind erforderlich, um die elektrischen Anlagen vor Erdschlussfehlern zu schützen und die Sicherheit zu gewährleisten.
3. Qualität und Stabilität der Stromversorgung
Das Notstromaggregat muss eine stabile Spannungs- und Frequenzversorgung liefern. Die Spannung und Frequenz müssen im Bereich der normierten Werte (z. B. 230 V ±10% oder 400 V ±10%) und 50 Hz (±1 Hz) liegen.
- Frequenzregelung: Notstromaggregate müssen in der Lage sein, eine stabile Frequenz zu liefern, die mit der normalen Netzfrequenz übereinstimmt.
- Spannungsregelung: Es ist sicherzustellen, dass die Spannung des Notstromaggregats ebenfalls stabil bleibt, ohne in einem Bereich zu liegen, der angeschlossene Geräte gefährden könnte.
4. Wartungsanforderungen und Inspektionen
Die Wartung und Inspektion des Notstromaggregats sind in der VDE 0100-560 besonders relevant:
- Regelmäßige Prüfungen und Inspektionen müssen durchgeführt werden, um den ordnungsgemäßen Betrieb sicherzustellen. Dazu gehören Prüfungen des Motors, der Batterien, des Kraftstoffsystems und der Elektrik.
- In vielen Fällen muss das Notstromaggregat auch im laufenden Betrieb getestet werden, um sicherzustellen, dass es im Falle eines Stromausfalls zuverlässig funktioniert.
5. Bauweise und Installation
Die Bauweise und Installation eines Notstromaggregats müssen so ausgeführt sein, dass es korrosionssicher und brandfest ist. Darüber hinaus müssen die Generatoren und deren Komponenten so installiert werden, dass sie zu jeder Zeit wartbar sind, ohne dass eine Gefahr für den Betrieb oder das Personal entsteht.
- Aufstellorte: Der Aufstellort des Notstromaggregats muss so gewählt werden, dass es keine Gefährdung für die Umgebung darstellt (z. B. Abgase, Lärm, Feuergefahr).
- Schutz gegen mechanische Beschädigung: Die mechanischen Teile des Notstromaggregats müssen vor Schäden durch äußere Einflüsse geschützt werden.
6. Kennzeichnung und Dokumentation
Es müssen alle Wartungs- und Prüfprotokolle sowie die Kennzeichnung des Notstromaggregats dokumentiert und für alle beteiligten Personen zugänglich gemacht werden. Dies ist besonders wichtig, um im Fall von Störungen oder Fehlfunktionen schnelle und effiziente Lösungen zu ermöglichen.
- Kennzeichnung der Stromversorgung: Die Notstromversorgungsleitungen müssen eindeutig gekennzeichnet werden, um Verwechslungen mit der Normalstromversorgung zu vermeiden.
7. Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit
Die VDE 0100-560 verlangt, dass Notstromaggregate eine hohe Zuverlässigkeit aufweisen. Dies bedeutet:
- Das Aggregat muss nachhaltig und über einen längeren Zeitraum funktionieren, auch bei häufigen Stromausfällen.
- Es sollte sicherstellen, dass die Kritische Last jederzeit ausreichend versorgt wird, unabhängig davon, wie lange die Notstromversorgung aktiv ist.
Zusammenfassung
Die VDE 0100-560 stellt sicher, dass Notstromaggregate zuverlässig, sicher und mit der nötigen Qualität betrieben werden. Sie fordert unter anderem eine sichere Trennung von Stromkreisen, eine zuverlässige Umschaltung im Falle eines Stromausfalls, Schutzmaßnahmen gegen Überlastung und Kurzschluss sowie eine regelmäßige Wartung und Inspektion. Ein Notstromaggregat muss stabil und zuverlässig arbeiten, die entsprechenden Sicherheitsstandards einhalten und eine dokumentierte Wartungshistorie besitzen.